• Joan Hinterauer

Die Kunst der Zusammenarbeit ohne Ketten.

Aktualisiert: 23. Mai 2019


Ich habe diese Woche mehrere Artikel über das Scheitern von Zusammenarbeit frei von formaler Hierarchie gelesen. Noch vor einigen Jahren hätte ich die Berichte mit einem Kopfnicken bejaht. Der begleitende Gedanke wäre etwa so gewesen: "Das kann ja nicht funktionieren. Völlig klar, dass es ohne so gute Führungskräfte, wie ich eine bin, nicht klappt.".

Heute habe ich eine andere Perspektive. Ich arbeite selbst seit drei Jahren nur mehr in Netzwerken - ohne formale Bindung. Anfangs war mir nicht klar, welche Dynamiken sich dadurch ergeben. Ich konnte dabei drei Effekte beobachten:

  • Wenn die Zusammenarbeit im Netzwerk klappt, entsteht eine unglaubliche Kraft.

  • Sobald alte Muster (z.B. Pläne, Perfektionsanspruch, Kontrolle & Misstrauen, Leistungsdruck, ...) Einzug halten, nimmt das Interesse der Beteiligten ab - Bis es schließlich ganz verebbt.

  • Unflexible Verteilungsmodelle bei den Einnahmen zerstören die intrinsische Motivation.

Bis zum Frühjahr 2017 konnte ich diese Beobachtungen nur bedingt nachvollziehen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich auf Gebhard Borck getroffen. Er hat mittlerweile fast 20 Jahre Erfahrung mit dieser Art der Zusammenarbeit. Seine Erkenntnisse und Denk-Werkzeuge haben mir geholfen, meine Beobachtungen zu rationalisieren. Ich arbeite mit Gebhard mittlerweile in einigen gemeinsamen Ventures zusammen. Wir haben dafür nichts gegründet - Wir arbeiten als freies Netzwerk. Die Identifikation ist noch immer genauso groß, wie am ersten Tag. Ich kann für mich behaupten, dass diese Form der Zusammenarbeit eine riesige Bereicherung für mein Leben ist. So bereitet Arbeit aber mal richtig Freude.

Ganz aktuell erlebe ich in einem weiteren Netzwerk an dem ich beteiligt bin, wieder die zu Beginn beschriebenen Muster. Nachdem die Anfangseuphorie verflogen ist, nimmt die Identifikation rasant ab. In den gemeinsamen Projekten gibt es kaum mehr Fortschritte. Das frustriert die Beteiligten. Jeder beginnt zu hinterfragen, warum er überhaupt noch Zeit in das Netzwerk investiert.


Egal ob Netzwerk oder Firma ohne formale Hierarchie, hier ein paar Inspirationen von denen ich glaube, dass sie zur erfolgreichen Gestaltung beitragen können:

  1. Eigene Klarheit kommt vor der Transformation: Bevor Sie starten, sollten Sie sich selbst klar machen, ob Sie diesen Weg überhaupt wollen. Dabei ist externe Inspiration sehr hilfreich - Doch Vorsicht vor Blaupausen.

  2. Klären Sie das Denk-Modell: Am Beginn reicht oft das gemeinsame Ziel aus, damit alle motiviert sind. Doch spätestens, wenn die ersten Herausforderungen auftauchen wendet sich das Blatt oft schnell. Wenn Sie im Vorfeld das Denk-Modell geklärt haben, trägt Sie das durch die Herausforderungen. Das Denk-Modell ist Ihr Fixpunkt am Horizont, an dem Sie sich ausrichten können.

  3. Die Methoden- und Konzeptfalle: Starten Sie nicht mit Konzepten und/oder Methoden, ohne ein Denk-Modell. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich damit unbewusst Konflikte reinholen ist hoch. Wenn Sie ein klares Denk-Modell haben, können Sie bewusst Konzepte und Methoden auf ihre Passung hin überprüfen.

  4. Macht es Sinn: Wenn Sie ohne unnötige und bremsende formale Abhängigkeiten arbeiten wollen, ist es wichtig sich mit dem Thema der Sinnkopplung auseinanderzusetzten. Diese Grundzüge zu verstehen, erlaubt es Ihnen die Zusammenarbeit in dieser Hinsicht bewusst zu gestalten.

  5. Reflexion: Reflektieren Sie regelmäßig und verwenden Sie dazu Denk-Werkzeuge, die Sie dabei unterstützen.

  6. Wertschöpfung: Verwenden Sie ein flexibles Verteilungsmodell, auf dass hin Sie die anteilige Wertschöpfung laufend reflektieren können. So vermeiden Sie mittel- und langfristig, dass der Frustfaktor Geld zu groß wird und folglich die Zusammenarbeit zerstört.

  7. Planungsfalle: Vermeiden Sie Pläne in unvorhersehbarer Umgebung (z.B. Umsatzplan). Investieren Sie stattdessen die Zeit, ein sinnvolles Controlling (Ist/Ist) aufzubauen und dort genau zu planen, wo es vorhersehbar ist.

  8. Transparenz als Enabler: Ein Netzwerk lebt von der Verantwortungsübernahme durch die Beteiligten und dem Vertrauen untereinander. Damit diese beiden Aspekte möglich werden, braucht es Transparenz.

  9. Hierarchie entsteht: Ein häufiges Missverständnis, wie ich finde. Wenn ich von Netzwerken und formal hierarchielosen Unternehmen spreche, dann bedeutet das nicht, dass es dort keine Hierarchie/Führung gibt. Der Unterschied ist, dass die natürlich und kontextbezogen entstehenden Hierarchien nicht durch formale Titel und Positionen eingefroren werden. Dadurch bleibt Führung dynamisch und passt sich den Herausforderungen an.

Ich kann nur jedem empfehlen sich mit dieser Thematik aktiv auseinanderzusetzen. Eine Zusammenarbeit ohne formale Ketten ist bereichernd für jeden Menschen. Sie ist auch fordernd - Doch meiner Erfahrung nach, ist es das Ergebniss allemal wert.

Sollte Sie dieser Artikel inspirieren, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzten, dann gibt es folgende zwei Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch: Perspektivreise (für Unternehmer/innen), Aktivisten-Camp für Neue Arbeit

Dieser Artikel ist auch auf meinem LinkedIn Profil erschienen: zum Artikel

Photo by Zulmaury Saavedra on Unsplash

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