• Joan Hinterauer

Rückschau WorkVision Barcamp by ei-institut.


Ich war eine ganze Weile auf keinem Barcamp mehr. Umso schöner letzte Woche Teil des WorkVision-Events sein zu dürfen. Zwar konnte ich effektiv nur am Donnerstagnachmittag aktiv teilnehmen. Aber die paar Stunden hatten es qualitativ in sich. Schade, dass ich einige Sessions verpasst habe.


Das Motto: Was kommt nach der Hierarchie?

Wer mich kennt, der weiß, dass mich diese Frage bereits seit mehr als 7 Jahren umtreibt. Ein besseres Thema bei meiner ersten Teilnahme am WorkVision Barcamp hätte es nicht geben können. Allerdings gibt es dabei auch einen Haken, den es aufzuklären gilt. Denn Hierarchie ohne Kontext für sich stehen zu lassen ist ein „gefährliches“ Unterfangen. Das endet meist darin, dass eine Gruppe sie als unverzichtbar bewertet und die andere als überflüssig. Bevor wir darüber werten, ist folgende Perspektive zentral, damit wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen:

Wir tun gut daran, zwischen „formaler“ Hierarchie und „natürlicher“ Hierarchie zu unterscheiden. Formale Hierarchie bedeutet, dass wir per Vereinbarung/Bürokratie eine Hierarchie festlegen. Die bekannteste Form davon ist das Führungskräftesystem. Vorgesetzte haben das Recht, ihre Untergebenen anzuweisen. Andere Formen der formalen Hierarchie sind z.B. Prozesshierarchien oder eine Systemhierarchie in einem IT-System.

Der Gegenpart ist die „natürliche“ Hierarchie. Sie ist unvermeidbar und ist immer vorhanden. Auch sie hat viele Gesichter, und lange nicht alle sind im wirtschaftlichen Kontext sinnvoll. Z.B. dass sich in Entscheidungssituationen ohne formalen Vorgesetzten der lauteste oder aggressivste Mensch durchsetzt. Der Vorteil von natürlichen Hierarchien ist, dass wir über entsprechende Workshopabläufe Kontexte erzeugen können, in denen sich die für das Unternehmen sinnvollste natürliche Hierarchie durchsetzt: Die beste Idee für eine Problemlösung oder Innovation wird gefunden, egozentrisches Verhalten wird auf ein gesundes Maß zurückgedrängt.





Die Location – Rauchmühle:

Was soll man da sagen. Eine wunderbare Umgebung. Alte unverputzte Ziegelwände in Kontrast zu dunklen Metallelementen angereichert durch Vollholztische und gut abgestimmtes Büromobiliar. Nicht zu vergessen die Tonanlage, die alles hat, was eine Veranstaltung dieser Größenordnung braucht. Dazwischen konnte, wer wollte, sogar Sport machen, indem er/sie von der Base im Erdgeschoss über die Wendeltreppe 4 Stockwerke höher zu den Session-Räumlichkeiten ging. Spätestens als Didi Maier mit seinem Team aufkochte, war alles gut :-)). Wer nach einer tollen Location sucht, fragt am besten direkt hier an: https://altes-muehlhaus.com. Vielen Dank an der Stelle an hotelkit für die tolle Gastfreundschaft (https://hotelkit.net/de/).





Die Sessions:

Wie eingangs erwähnt, habe ich die meisten Sessions leider versäumt. Schließlich war ich nur Teil von „augumented reality escape room“. Gastgeber war Thomas von Polycular. Polycular arbeitet an einem Angebot Teambuilding in die AR-Umgebung zu verlagern. Das Ziel ist es durch Zusammenarbeit als Team, wie üblich im Format des Escape Room, ein Rätsel zu lösen. Allerdings befindet sich das Team hier nicht in einem physischen Raum, sondern kann dezentral mit einem Device (Smartphone, Tablet) am Escape Room teilnehmen. Thomas hatte dazu mit seinem Kollegen Devices vorbereitet, damit wir in Pärchen den Prototyp testen konnten. Das hat richtig Spaß gemacht und zweifelsohne habe ich viel über meine Partnerin gelernt, währen wir gemeinsam das Rätsel gelöst haben. Die Anwendung ist derzeit noch in der Prototypenphase. Das Endprodukt wird später mehr als zwei Anwender ermöglichen. Danke an Thomas und Polycular. Das war eine kurzweilige Session. Mehr dazu findest du hier: https://www.polycular.com/



Meine Session – vom Ich- zum Wir-Unternehmen mit der #AdaptiveOrg!

Vorweg, in den sieben Jahren in denen ich mich nun der Thematik Selbstorganisation bzw. Selbststeuerung widme, hat sich offensichtlich einiges getan. Wenn ich mich zurückerinnere, wie 2015 die Reaktionen aussahen. Damals haben die Menschen nur nach Gründen gesucht, warum das nicht funktioniert. Es gab keine Offenheit gegenüber dem Thema, sondern nur die Suche nach Schwachpunkten, um es als „Fehler“ an die Wand zu nageln.

Seither hat sich viel bewegt. Alle Teilnehmer:innen meiner Session waren konstruktiv und haben sich für mögliche Wege authentisch interessiert. Woran ich das festmache? An den Fragen, die aus der Runde kamen und den Nachgesprächen.

Ich denke, ein Dank gebührt an dieser Stelle den ganzen Pionieren, sowohl auf Anwender, wie auf Beraterseite. Sie haben eine Menge Zeit und Geduld investiert, um das Vertrauen in andere Zusammenarbeitsformen zu stärken. Und sie beantworten die Frage des Camps jeden Tag aufs Neue: Was kommt nach der (formalen) Hierarchie.

Die #AdaptiveOrg an sich stellt einen möglichen Weg in diese Welt dar. Verglichen zu anderen Ansätzen, wie Holacracy, Beta-Codex, Soziokratie (3.0) oder das kollegial geführte Unternehmen zeichnet sie sich durch ein Minimum an Bürokratie aus. Zudem verzichten wir auf eine „Implementierung“ und haben stattdessen einen organischen Weg entwickelt, die Arbeitsweise sanft ins Unternehmen zu bringen. Und auch nur bis zu der Ausprägung, welche der jeweiligen Organisation guttut. Im Ergebnis heißt das, dass jede #AdaptiveOrg anders aussieht. Sie entwickeln ihr eigenes „Framework“, das wirklich zu ihnen passt, und sie bestmöglich dabei unterstützt ihre Ziele zu erreichen. So nutzen sie manche „nur“ für größere Change-Initiativen und andere, um mit der Belegschaft das Unternehmen bis hin zur Strategie zu steuern.

Die #AdaptiveOrg steckt marktseitig noch in den Kinderschuhen. Wir sind daher ständig auf der Suche nach Kooperationen und Kunden. So bieten wir z.B. 1,5 stündige Discovery Sessions (online) kostenlos für Netzwerkveranstaltungen oder dergleichen an. Wenn du eine Idee hast, wo die #AdaptiveOrg in deinem Umfeld einen Mehrwert stiften kann, dann lass uns gerne sprechen. Du kannst hier direkt einen Termin bei mir buchen: https://joanhinterauer.youcanbook.me

Natürlich kannst du auch gleich tiefer in die #AdaptiveOrg einsteigen. Entweder, um deine eigene Organisation voranzubringen, oder um deine Kunden mit einer neuen Vorgansweise zu begeistern. Wir bieten dazu die Ausbildung zum #AdaptiveOrg-Katalysator an, die wir am 01. Dezember in ihrer überarbeiteten Form unverbindlich vorstellen. Komm gerne dazu, hier gehts zur Anmeldung oder du schickst mir einfach kurz eine Mail an hello@adaptive-org.com: https://www.linkedin.com/events/vorstellung-adaptiveorgkatalysa6981271052878249984/comments/


Jäger- & Sammlergesellschaften mit Bettina Ludwig:

Bettina und ihr Buch „Unserer Zukunft auf der Spur“ waren mir bereits vor dem Barcamp ein Begriff. Sie ist, zusammen mit Rutger Bregman (Autor von „Im Grunde Gut“) und David Graeber & David Wengrow (Autoren von „Anfänge – eine neue Geschichte der Menschheit“) Teil des #AdaptiveOrg Vertriebsteam. Sie alle wissen es nur nicht ;-).

Bettina und ihre Kollegen räumen in ihren Forschungen mit unserem Selbstverständnis auf, dass unsere Gesellschaftsform und die Art und Weise wie wir unsere Unternehmen im Westen organisieren der „einzige“ und „beste“ Weg sind. Wie Bettina nicht müde wird zu betonen, wir müssen unser Menschen- und Weltbild hinterfragen. In meiner Welt haben besonders Unternehmer:innen eine große Verantwortung dahingehend, der sie nicht ausreichend nachkommen. Noch heute wählt jede:r Startup-Gründer:in die formale Hierarchie als Standardeinstellung. Sie sprechen vielleicht von flachen Hierarchien. Aber flache Hierarchien sind keine besseren Hierarchien. Es bleibt die dahinterliegende Annahme, dass nur wenige Denken sollen und alle anderen sich besser auf das Abarbeiten konzentrieren. Vor allem die Untergebenen sind nur Zahnräder, die funktionieren und austauschbar sind. Die BWL-Denke dominiert klar die sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse. Und so entwickeln wir Organisationen, deren Hauptbestandteil zwar Menschen sind, wir sie aber betreiben wie eine Dampfmaschine angereichert mit IT und Kollaborationssoftware. Wir wissen so viel über Menschen, aber wir machen nichts draus. Ich denke das müssen wir uns vorwerfen lassen. Entsprechend haben wir kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem.

Bettina sprach mir in ihrem Vortrag aus der Seele. Sie leistet mit ihrer Arbeit einen unschätzbaren Beitrag, indem sie aufzeigt, dass unser Hierarchiedenken keinem Naturgesetz entspringt. Ich würde mich freuen, wenn Wissenschaft und Praxis in dieser Thematik in Zukunft näher zusammenrücken. Gelingt uns das, hat das positive Folgen. Eine Studie, auf die ich an dieser Stelle gerne verweise, deutet an, dass es einen Zusammenhang zwischen Partizipation (also Organisationsformen wie der #AdaptiveOrg) und Nachhaltigkeit gibt. In meinen Worten: Partizipative Organisationen sind vernünftige(re) Organisationen. Aber mach dir am besten selbst ein Bild: https://unternehmensdemokraten.de/2022/01/18/organisationale-nachhaltigkeit-erfolgreicher-mit-partizipation/


Beeindruckt hat mich Bettinas Klarheit und Selbstreflexion zum Abschluss. Sie meinte sinngemäß, dass Vorträge natürlich wichtig sind, aber noch wichtiger sind tiefgehende Dialoge in kleineren Gruppen. Vielleicht drücken wir es so aus, das eine braucht das andere. In der Arbeit mit #AdaptiveOrgs geht es aber im Kern genau darum: Auf die Problemstellung angepasste Lösungs- und Lernräume zu schaffen, in denen sich die Menschen selbst aufklären und führen und damit Wissen in Handlung bringen.

Danke Bettina. Ich hoffe, wir sehen uns zeitnah wieder und haben dann mehr Zeit zum „quatschen“.


Kleiner Hinweis noch in eigener Sache. Am 22. November darf ich einen kostenlosen online Workshop zum Thema Menschenbild im Mittelstand co-hosten. Vielleicht hast du Lust dabei zu sein: https://www.linkedin.com/events/menschenbildimmittelstand-vomho6987731421603762176/comments/



Martin & Chris – aka ei-institut.

Wo soll ich beginnen. Vielen vielen Dank euch beiden. Eine wunderbare Veranstaltung. Es ist eine Kunst ein Programm durchzubekommen und gleichzeitig immer eine entspannte Stimmung zu haben. Das habt ihr perfekt hinbekommen. Ich freue mich auf das, was kommt, und habe mich schon für 2023 angemeldet. Ich hoffe dann ohne Kollision mit einer Fortbildung und Kinderbetreuung. Hier gehts zur Anmeldung auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/events/workvisionbarcamp-76997087791121633280/comments/

Danke an alle Beteiligten, und hoffentlich sehen wir uns in 2023 wieder!



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