Wie Wirtschaftsgrößen über normale Menschen denken!

Wütend. Traurig. Hoffnungslos. Das waren die drei Gefühle, die in mir aufkamen, nachdem ich diesen Artikel auf www.orf.at gelesen hatte. Der Text greift ein aktuelles Problem vieler Unternehmen auf: Personalmangel. Über Jahrzehnte waren die Positionen klar verteilt. Firma hat Arbeit, schreibt offene Jobs aus und sucht nach Leistungskriterien den besten Menschen aus. Alle anderen durften froh sein, wenn Zeit blieb für eine halbwegs freundliche Absage. Die Botschaft dahinter lautete: Ich, als Unternehmer:in, habe Macht über dich Normalo. Du brauchst Arbeit, die ich habe, damit du deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst. Deswegen ist es vollkommen OK, dass ich dich in abhängiger Beschäftigung ausbeute. Du bekommst Lohn, und ich die Gewinne. Wenns mal schlecht läuft, ersetzt mir der Staat die Profite.




Das Spiel hat sich gedreht.

Ist dir was aufgefallen in den letzten Monaten und Jahren? Ich glaube bemerkt zu haben, dass sich die Ausgangssituation dramatisch verändert hat. Aller Roboter-nehmen-uns-die-Arbeitsplätze-weg Horrorgeschichten zum Trotz, bleiben offene Stellen immer länger unbesetzt. Das Pendel schlägt mehr und mehr in Richtung Arbeitnehmer aus. Diese erkennen aber ihren vorteilhaften Standpunkt (noch) nicht. Oder sie sind nicht in der Lage, daraus ihre Verhandlungsposition zu stärken. Trotz Gewerkschaften, die ihnen Unterstützung zusichern. Denn wie anders lässt sich der Ton in diesem Artikel erklären?

Ein hochrangiger Wirtschaftskammer-Vertreter schlägt finanzielle Erpressung an den einkommensschwächsten Menschen unserer Gesellschaft vor. Er bezeichnet das als „positiven Anreiz“. Diese Aussagen geben mehr über den Menschen preis, der sie tätigt, als alles andere.

Keine Unterstellung – die verborgene Botschaft:

Mir geht es nicht um die Einzelperson. Oder diesen Text als Einzelfall. Trotzdem steht er stellvertretend für das Menschenbild, dass unsere Wirtschaft heute beherrscht:

  • Normale Menschen sind faul. Wir müssen ihnen Angst machen, damit die offenen Jobs besetzt werden.

  • Normale Menschen sind dumm. Wir nennen eine Erpressung positiven Anreiz. Sie werden es eh nicht kapieren.


Aber was tun?

Das Verstehen des Gegenübers ist zentral. Finde den richtigen Schlüssel unter vielen, um das Verständnis-Schloss zu öffnen. Damit die Tür in ein sinnvolles Miteinander endgültig aufschwingt, braucht es darüber hinaus gehendes Wissen über menschliches Verhalten. Denn wie du vielleicht schon gelesen hast in einem meiner Beiträge: Menschen verhalten sich, aber sie sind nicht so.

Wirtschaft verstehen:

Falsche Annahmen und das komplizierte Darstellen einfacher Sachverhalte. Das sind die beiden Zutaten, die unseren Wirtschaftsgrößen solche Aussagen entlocken. Im Kern sieht die Betriebswirtschaftslehre Menschen als 100% rational an. Sie sind ein Faktor: Arbeitskraft. Somit ist er verplanbar, und damit die Erfolge. Alle menschlichen Eigenheiten (Emotionen, Kreativität, ...), die darüber hinausgehen, werden notgedrungen geduldet. Fehlt nur noch das Jonglieren der Zahlen. Die Controller und Finanzspezialisten haben sich ihre Welt gebaut. Sie verwenden Begriffe, die sich wie eine Fremdsprache anhören. Sie bauen imaginäre Konstrukte, die auf Außenstehende so abschreckend wirken, wie eine Klapperschlange in freier Wildbahn. Doch am Ende des Tages ist es relativ simpel: Unternehmen, die auf Dauer weniger Geld einnehmen als sie ausgeben, überleben nicht. Das ist die ganze Magie. Jetzt kennst du den Zaubertrick. Fang was damit an.

Menschen verstehen:

Da wird es jetzt etwas komplizierter. Ein Absatz reicht nicht, um unsere unglaubliche Vielfalt in Worte zu fassen. Deswegen probiere ich es erst gar nicht. Mir ist an der Stelle nur eines wichtig. Chefs, Vorgesetzte, Experten, Politiker, Monarchen. Sie sind alle kein Naturgesetz. (Formale) Hierarchie haben wir selbst erfunden. Sie stammt aus Zeiten, wo nur wenige Lesen und Schreiben konnten. Dadurch waren diese Menschen in der Lage die Koordination und Organisation von Produktionsprozessen zu steuern. Eine sinnvolle Lösung. Allerdings nur so lange, bis (fast) alle Lesen und Schreiben können. Leider ist diese Trennung von Denken und Arbeiten mittlerweile selbstverständlich. Individuen nutzen sie bis heute, um sich gegenüber anderen zu überhöhen. Mach dir das bewusst, wenn du das nächste Mal vor einem Menschen stehst, der glaubt über dir zu schweben. Es ist nur ein Märchen, das schon seit Jahrzehnten gut erzählt wird.


Das ist nur ein Aspekt des menschlichen Verhaltens. Wenn du dich tiefer damit auseinandersetzen möchtest, dann empfehle ich dir lieber ein Buch. Ich warne dich. Möglicherweise verändern diese Geschichten deine Perspektive, wie du auf die Welt und deine Mitmenschen schaust:

https://www.buch7.de/produkt/im-grunde-gut-rutger-bregman/1040677340?ean=9783499004162



Und denk dran: Menschen verhalten sich, aber sie sind nicht so.
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